Treu dem Sport- wahr das Wort- auf Ehren stolz- als Gruß "GUT - HOLZ "!
KÖNIGSBRÜCKER KEGELVEREIN WEISS / ROT e.V.
"Ich treibe Sport in meiner Freizeit." - "So? Was denn da?" - "Ich bin Kegler." - "Na ,mit Sporttreiben hast Du dann ja nicht viel zu tun . . . " Wenn sie ehrlich sind , liebe Leserinnen und Leser, ist das doch mit Sicherheit auch Ihre Meinung ! Viel Bier, durchaus auch "harte" Sachen, gutes Essen und ab und zu ein paar Kugeln schieben, dass kann doch so anstrengend nicht sein! Die körperlichen Leistungen, die das Kegeln aber fordert, sind nicht offensichtlich und werden deshalb maßlos unterschätzt. So kommt es statistisch gesehen auf Deutschlands Kegelbahnen zu den meisten Sportunfällen mit tödlichem Ausgang. Und auch Sie erinnern sich bestimmt an den Muskelkater nach einem Kegelabend . . . Deshalb gilt hier wie bei jedem anderen Sport : Training und Erwärmung sind (fast) alles!
Da es auch immer Leute mit Ideen gab, entwickelten sich 3 verschiedene Arten des Kegelns: Schere , Bohle und Asphalt. Heute noch werden in ganz Deutschland diese Varianten in den verschiedenen Regionen betrieben. Bei uns in Sachsen beherrscht das Asphaltkegeln die Szene. Mittlerweile ist aus dem Asphalt farbiger Kunststoff geworden, deshalb heißt unsere Sparte jetzt " Classic". Aus Holzkegeln wurden Kunststoffkegel , das Aufsetzen mit Hand wurde von Aufstellautomaten übernommen und in letzter Zeit kommen immer mehr Ergebnisdrucker zum Einsatz.
Genauso wie sich das Sportgerät- die Bahn und ihre Ausstattung also- verändert hat, entwickelte sich auch die praktische Ausübung. In den 20er und 30er Jahren wurde die Wettkämpfe ausnahmslos über 100 Kugeln "in die Vollen" bestritten. Erst in den 40ern kam das "Abräumen" dazu. Bis heute werden also nun jeweils die Hälfte der zu absolvierenden Würfe in die Vollen und ins Abräumen gespielt. Dabei schiebt jeder Starter bis zur Kreisliga 100 Kugeln, alle höheren Spielklassen schieben 200 Kugeln pro
Starter. Zu einer Mannschaft gehören 6 bzw. 4 Keglerinnen oder Kegler, je nach Altersklasse.
Seit 1925 wird in Königsbrück Kegeln wettkampfmäßig betrieben, die geselligen Ursprünge reichen aber bis ins vorige Jahrhundert zurück. Der gegenwärtige "Königsbrücker Kegelverein Weiß/Rot e.V." hat seit 1992 das Erbe der ehemaligen Betriebssportgemeinschaften "Motor" und "Lokomotive" angetreten und sieht sich natürlich auch in der Tradition der Kegler vom Anfang unseres Jahrhunderts.
"Schiebe mit Liebe", "Ausdauer", "Unter Uns" ,"Fettsäcke" sind nur einige der bildhaften früheren Clubnamen. Diese urigen Bezeichnungen sind ein Hinweis darauf, dass Kegeln und Geselligkeit durchaus zusammengehören. Auch der Spruch in der Überschrift stammt aus dieser Zeit. Da es eine Mannschaftssportart ist, spielt der außersportliche Zusammenhalt der Truppe eine wichtige Rolle. Die Königsbrücker Kegler wurden u.a. durch 2 Großaktionen in der Vergangenheit zusammengeschweißt: dem Bau der 2-Bahn-Anlage am Bahnhof 1963 und dem Bau der 4- Bahn - Anlage am Sportplatz von 1986 bis 1989. Es ist heute schon kaum noch vorstellbar, was es bedeutete, ohne Baumärkte im Hintergrund, aber mit der sozialistischen Realität im Vordergrund eine solche Sportstätte zu errichten. Die genannte Bauzeit deutet es an . . . Die erstgenannte Bahn ist wegen Eigentümerwechsel durch Rückübertragungsanspruch leider dem völligen Verfall preisgegeben. Sehr zum Bedauern der damals am Bau Beteiligten und der vielen Geselligkeitskegler in unserer Stadt, die z.Z. keine Betätigungsmöglichkeit haben. Das ist die Chance für einen Königsbrücker Gastwirt!
Die Anlage am Sportplatz wird von den Wettkampfkeglern intensiv genutzt. Jeden Abend in der Woche trainiert mindestens 1 Trainingsgruppe. Bei insgesamt 9 Mannschaften im Wettspielbetrieb auf Kreisebene und im ostsächsischen Bereich kann das auch nicht anders sein. 2 Frauenmannschaften, 2 Jugendmannschaften und 5 Männermannschaften bzw. Seniorenmannschaften, ringen alljährlich zwischen September und Mai um möglichst hohe Holzzahlen. Besonders die älteren Damen waren in der Vergangenheit in dieser Beziehung herausragend. Zweimal wurde die Mannschaft Sachsenmeister und konnte so an den "Deutschen Meisterschaften " teilnehmen: 1994 in Wiesbaden und 1996 in Augsburg. Eine ganze Reihe Titel und Platzierungen wurde bei Einzelmeisterschaften von den Starterinnen und Startern des Vereins errungen. All das will natürlich auch organisiert sein. So arbeiten die Sportkameraden Heiner Großmann und Manfred Prater aktiv im Vorstand des Kreisfachverbandes Kegeln mit. Heiner Großmann ist als Kampfrichter mit Bundesligalizenz viele Wochenenden in ganz Sachsen mit Wettkampfbetreuung beschäftigt. Er gehört zu den wenigen, die in unserer Sportart das Kampfrichteramt ausüben.
Manfred Prater organisiert seit Jahren den Wettkampfbetrieb der Jugendmannschaften auf Kreisebene. "Einen Sack Flöhe hüten" ist manchmal leicht dagegen . . .
Auch die Aktivitäten des Vereins bedürfen gründlicher Vorbereitung und Betreuung. Die Mitgestaltung des alljählichen Badfestes im Sommer , ein Vereinsfest im Frühherbst und das Jahresabschlusskegeln zwischen Weihnachten und Silvester sind zu festen Bestandteilen des Vereinslebens geworden. Die beiden schon genannten Kegelbrüder sind auch noch im Verein als Sportwart bzw. Jugendwart und Übungsleiter aktiv .Weiterhin bemühen sich um die Vereinsgeschicke Rainer Hauffe als 1.Vorsitzender sowie Lutz Böhme als 2. Vorsitzender und Übungsleiter. Sonja Golbß vertritt die Interessen der immer mehr werdenden Frauen (sehr zu aller Freude!) und Matthias Bock regelt ganz korrekt die finanziellen Angelegenheiten. Apropos Geld : der Verein zahlt seit 1992 ein Nutzungsentgelt an den Eigentümer der Sportstätte, die Stadtverwaltung Königsbrück. Natürlich gab es anfangs Diskussionen darum, zumal die Bahn ja von den Keglern selbst gebaut worden war. Die Debatten sind jedoch seit langem verstummt und aus finanziellen Nöten heraus hat noch niemand den Verein verlassen (müssen). Das ist nicht zuletzt den Bemühungen des Vorstandes um finanzielle Unterstützung von außen zu danken, wenngleich das "Klinkenputzen " dafür eine recht mühselige und manchmal deprimierende Aufgabe für die Betroffenen ist. Wir Kegler als "unattraktive Randsportart" haben es da in Zeiten wirtschaftlicher Rezession besonders schwer. Die Mitgliederzahlen sind recht stabil, wobei naturgemäß im Jugendbereich die größten Schwankungen zu verzeichnen sind. In diesem Jahr gehören 13 Frauen, 11 Mädchen, 53 Männer und 4 Jungen dem Verein an . Alles in allem blicken wir optimistisch in die Zukunft .
"Kegeln - im Verein am schönsten !" Diesem Motto ist nichts hinzuzufügen.
R. Hauffe